Warum ist Wein in der Schweiz teurer als im Ausland?

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Beat Hess
Beat Hess
Inhaber & Gründer, Privilegio GmbH · Hünenberg
Zuletzt geprüft: 14. September 2026

Das Wichtigste zuerst

Wein ist in der Schweiz meist nicht wegen der Mehrwertsteuer oder des Zolls teurer als im Ausland. Der Hauptgrund ist der Schweiz-Zuschlag der ausländischen Lieferanten, dazu kommen mehrere Handelsstufen sowie Logistik- und Lagerkosten. Bei Weinen ohne Schweizer Vertretung fällt dieser Aufschlag weg, weshalb sich die Beschaffung anders rechnet.

Wir bei Privilegio sehen in der Praxis immer wieder dasselbe Muster: Viele suchen zuerst die Erklärung bei der Steuer, tatsächlich entsteht der grösste Teil des Preisunterschieds aber in der Lieferkette. Genau dort setzt auch unser Weinbesorger an, wenn ein Wein in der Schweiz sonst gar nicht oder nur mit Aufschlag erhältlich ist.

Woraus setzt sich der Preis von importiertem Wein zusammen?

StufeWas passiertGrössenordnung
Ab-Hof-PreisEinkauf beim ProduzentenCHF 11.–
Transport und LogistikSammelladung, Zwischenlager, Verteilungtiefer einstelliger Frankenbetrag
ZollKontingentszollansatz auf NaturweinRappenbereich pro Flasche
ImporteursmargeSortimentsaufbau, Lagerhaltung, Vertriebvariabel
HandelsmargeFachhandel, Detailhandel oder Onlinevariabel
Mehrwertsteuer8,1 % auf dem Endpreisrund 8 %
Vereinfachter Preisaufbau einer importierten Flasche Rotwein

Entscheidend sind die beiden Margenzeilen, und ob es überhaupt zwei davon braucht. Jede zusätzliche Handelsstufe addiert nicht nur, sie multipliziert die Kosten. Genau deshalb kann derselbe Wein in der Schweiz deutlich teurer wirken, obwohl die staatlichen Abgaben selbst relativ klein sind.

Warum ist die Mehrwertsteuer nicht der Hauptgrund?

Das ist der am häufigsten missverstandene Punkt. Der Schweizer Normalsatz liegt bei 8,1 %, in Italien beträgt die Mehrwertsteuer auf Wein 22 %, in Frankreich 20 % und in Spanien 21 %. Steuerlich ist die Schweiz für Wein also nicht der teure, sondern eher der günstigere Standort.

Beim Kauf im Ausland kommt hinzu, dass die ausländische Mehrwertsteuer bei korrekt abgestempelter Ausfuhr zurückgefordert werden kann. Wer einen Ab-Hof-Preis mit ausländischer Mehrwertsteuer mit einem Schweizer Regalpreis vergleicht, vergleicht deshalb zwei unterschiedliche Grössen.

Was macht der Zoll tatsächlich aus?

Naturwein bis 18 % Vol. unterliegt in der Schweiz keiner Alkoholsteuer, sondern dem Lebensmittelgesetz. Es bleibt der Zoll, und der liegt bei Importen innerhalb der Zollkontingente Nr. 23, 24 und 25 im Rappenbereich pro Flasche. Die aktuellen Ansätze sind im elektronischen Zolltarif TARES einsehbar.

Wer importiert, braucht eine Generaleinfuhrbewilligung des Bundesamts für Landwirtschaft und eine Registrierung bei der Schweizer Weinhandelskontrolle. Da das Kontingent in der Praxis kaum je ausgeschöpft wird, importiert der organisierte Handel faktisch fast immer zum tiefen Ansatz. Der Zoll erklärt deshalb keine Verdoppelung des Preises.

8,1 %Mehrwertsteuer in der Schweiz
20 %Mehrwertsteuer in Frankreich
21 %Mehrwertsteuer in Spanien
22 %Mehrwertsteuer in Italien
1'700'000 HektoliterJährliches Kontingent Nr. 23, 24 und 25

Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG), Bundesamt für Landwirtschaft (BLW)

Wo entsteht der grösste Aufschlag bei Schweizer Weinkäufen?

Hier liegt der grösste Brocken: Marktstarke ausländische Lieferanten verlangen von Schweizer Abnehmern systematisch höhere Einstandspreise als von Abnehmern in der EU. Das liegt laut den beschriebenen Marktmechanismen nicht an höheren Kosten, sondern an der grösseren Zahlungsbereitschaft in der Schweiz. Der Bundesrat hielt schon 2015 fest, dass die Preisdifferenz weniger auf das hohe Lohnniveau als auf die hohe Kaufkraft zurückgeht.

Parallelimporte werden zusätzlich erschwert, wenn Zwischenhändler mit Lieferstopp oder anderen Sanktionen rechnen müssen. Seit dem 1. Januar 2022 kann das Kartellgesetz eingreifen, wenn marktmächtige Lieferanten ihren abhängigen Schweizer Abnehmern überhöhte Preise aufzwingen. Für einen einzelnen KMU-Importeur ist die Durchsetzung jedoch aufwendig.

Wie viele Handelsstufen verteuern eine Flasche?

Der Schweizer Weinmarkt ist stark konzentriert. Rund zwei Drittel des Bedarfs werden importiert, und die fünf grössten Importeure führen zusammen über die Hälfte aller Weinimporte ein. Diese Volumen bringen Einkaufskonditionen, die ein kleiner Händler kaum erreichen kann.

Bei Weinen, die über einen Alleinimporteur und danach über den Fachhandel laufen, liegen zwei volle Margen zwischen Weingut und Kunde. In der Gastronomie kommt oft eine dritte hinzu. Traditionell wurde dort mit dem Faktor drei bis vier auf den Einkaufspreis kalkuliert, heute arbeiten sorgfältig kalkulierende Betriebe eher mit einem fixen Kostendeckungsbeitrag pro Flasche.

Warum gleicht der starke Franken den Aufpreis nicht aus?

Rein rechnerisch müsste ein starker Franken importierten Wein verbilligen. In der Praxis kommt das nur teilweise beim Endkunden an, weil Währungsvorteile oft auf der Lieferantenstufe hängen bleiben. Die Wettbewerbskommission stellte bereits eine Vorabklärung zur Weitergabe von Währungsvorteilen ein, weil sich die Verantwortung zwischen Lieferanten und Händlern nicht eindeutig zuordnen liess.

  • Bei Volumenweinen lohnt sich der Direktbezug selten, weil Grossverteiler zu Bedingungen einkaufen, die privat nicht erreichbar sind.
  • Bei Weinen mit Schweizer Alleinimporteur bestimmt dessen Preispolitik den Endpreis, nicht der Zoll.
  • Bei Weinen ohne Schweizer Vertretung fällt der Schweiz-Zuschlag weg, dafür ist die Beschaffung oft deutlich anspruchsvoller.

Wie hilft der Weinbesorger von Privilegio?

Bei Privilegio in Hünenberg setzt der Weinbesorger genau bei dieser dritten Kategorie an. Wir beschaffen Weine aus aller Welt, auch solche, die in der Schweiz sonst nicht erhältlich sind, und liefern sie nach Hause oder zur Abholung in Hünenberg. Verzollung, Kontingent und Transport laufen über uns.

Wein ist Geschmackssache, deshalb bewerten wir nicht, was Sie trinken sollen. Wir besorgen, was Sie wollen, und beantworten Anfragen innert 24 Stunden mit einer unverbindlichen Offerte.

Häufige Fragen

Lohnt sich der Direktkauf im Ausland bei Wein überhaupt?
Bei gängigen Weinen meist nicht, weil der Handel zu Einkaufskonditionen arbeitet, die privat kaum erreichbar sind. Bei Weinen ohne Schweizer Importeur kann es sich aber eher lohnen, weil dort keine Alleinimporteursmarge anfällt. Entscheidend ist also nicht nur der Herkunftspreis, sondern auch die Vertriebsstruktur.
Muss ich bei Wein in der Schweiz Alkoholsteuer zahlen?
Bei Naturwein bis 18 % Vol. nicht, denn dieser fällt unter das Lebensmittelgesetz. Erst bei höheren Alkoholgehalten, etwa bei Portwein oder Sherry, wird die Spirituosensteuer relevant. Für normale Weine ist das also nicht der Preisfaktor.
Was bedeutet Schweiz-Zuschlag im Weinhandel?
Damit ist ein Aufschlag gemeint, den marktstarke ausländische Lieferanten Schweizer Abnehmern verrechnen, obwohl keine höheren Kosten dahinterstehen. Der Preis entsteht also nicht nur durch Transport oder Zoll, sondern auch durch Marktposition und Abhängigkeiten. Genau das macht den Unterschied zwischen EU-Preis und Schweizer Regalpreis oft so gross.
Kann Privilegio auch Weine besorgen, die es in der Schweiz nicht gibt?
Ja, genau dafür ist der Weinbesorger gedacht. Privilegio beschafft Weine aus aller Welt, auch solche, die in der Schweiz nicht angeboten werden, und organisiert auf Wunsch Lieferung oder Abholung in Hünenberg. Die Offerte ist unverbindlich und kommt in der Regel innert 24 Stunden.

Wer den Preis von Wein in der Schweiz verstehen will, muss deshalb nicht bei der Steuer anfangen, sondern bei der Lieferkette. Genau dort entscheidet sich, ob ein Wein durch mehrere Margen verteuert wird oder ob er ohne Schweizer Zwischenstufen beschafft werden kann. Für die Beschaffung von Wein in der Schweiz teurer als im Ausland ist das meist der eigentliche Hebel.

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