Offene Türen für Cyberrisiken im Unternehmen

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Jan  Braunschweiler
Jan Braunschweiler
CEO, Inhaber & Verwaltungsratspräsident, Neo One AG · Bassersdorf
Zuletzt geprüft: 30. Oktober 2026

Das Wichtigste zuerst

Die grössten Schwachstellen in Unternehmen sind oft nicht technisch, sondern organisatorisch und menschlich. Unsaubere Austrittsprozesse und zu gutgläubiger Umgang mit unbekannten Anfragen können Angreifern direkten Zugang zu Systemen verschaffen. Wer Konten, Berechtigungen und das Verhalten am Arbeitsplatz konsequent absichert, senkt das Risiko deutlich.

Wir bei Neo One sehen in Audits und Penetrationstests immer wieder dasselbe Muster: Nicht der spektakuläre Angriff, sondern alltägliche Nachlässigkeit öffnet die Tür. Genau dort entstehen die grössten Lücken für Angreifer, und genau dort setzt wirksamer Schutz an.

Warum sind Cyberrisiken oft menschlich bedingt?

Viele Sicherheitslücken haben keine technische Ursache. Laut Manuel Caprioli von Neo One reagieren Mitarbeitende oft zu gutgläubig auf Social-Engineering-Versuche, und ehemalige Mitarbeitende verfügen manchmal noch über aktive Zugänge. Das ist für die Geschäftsleitung und für IT-Verantwortliche besonders kritisch, weil ein kleiner Versäumnis schnell zu einem Sicherheitsvorfall werden kann.

Was zeigt der fehlende Austrittsprozess?

Im ersten Praxisbeispiel fand Neo One bei einer Sicherheitsanalyse ein Benutzerkonto, das nicht mehr auf der aktuellen Liste der berechtigten Mitarbeitenden stand. Die Person war seit rund sechs Monaten nicht mehr im Unternehmen, konnte sich aber weiterhin regelmässig ins System einloggen. Weder Neo One noch der Kunde wussten, welche Aktivitäten diese Person im Netzwerk tatsächlich ausgeführt hatte.

Genau hier wird der Reputationsschaden für Unternehmen greifbar: Wenn Zugänge nach dem Austritt nicht sauber geschlossen werden, bleibt unklar, ob Daten manipuliert, vertrauliche Projektdaten eingesehen oder Zugänge weitergegeben wurden. Im schlimmsten Fall wäre auch das Einschleusen von Schadsoftware oder Ransomware möglich gewesen.

  • Alle Konten und Zugänge beim Austritt sofort deaktivieren.
  • Berechtigungen standardisiert prüfen und dokumentieren.
  • Austrittsprozess mit klaren Verantwortlichkeiten absichern.

Praxisregel für den Austritt

Ein definierter Austrittsprozess ist kein Formalismus, sondern eine Sicherheitsmassnahme. Wenn Berechtigungen nicht konsequent entfernt werden, bleibt das Unternehmen auch nach dem Austritt angreifbar.

Wie funktioniert ein manipuliertes Kabel als Angriff?

Im zweiten Beispiel überprüfte Neo One in einem Penetrationstest das Verhalten der Mitarbeitenden im Umgang mit Social Engineering. Eine Empfangsperson steckte ein manipuliertes OM.G-Kabel ohne Zögern in den PC, obwohl es als normales USB-C-Kabel aussah. Von einem nahegelegenen Standort aus konnte sich das Team danach ohne weitere Einschränkungen Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk verschaffen.

Das Entscheidende daran ist nicht die Technik des Kabels allein, sondern die Reaktion im Alltag. Das Kabel gab sich als Eingabegerät aus, konnte automatisiert Befehle ausführen und damit Sicherheitsvorkehrungen umgehen, die nur dateibasierte Bedrohungen blockieren. Ein einzelner unbedachter Anschluss hätte im Ernstfall ausgereicht, um Schadsoftware zu installieren, einen Keylogger zu aktivieren oder eine Hintertür einzurichten.

Welche Massnahmen stärken die Sicherheitsstrategie?

Die Lehre aus beiden Beispielen ist klar: IT-Schutzmassnahmen müssen organisatorisch und menschlich mitgedacht werden. Neo One unterstützt KMU und Organisationen dabei mit Beratung, Umsetzung, Betrieb, Schulungen und Cyber Security aus einer Hand, damit Sicherheitsvorfälle gar nicht erst durch Routinefehler entstehen.

  • Mitarbeitende für Social Engineering sensibilisieren.
  • Unbekannte Geräte niemals an Firmengeräte anschliessen.
  • Zugriffe nach Rollen und Funktion regelmässig überprüfen.
  • Sicherheitsregeln schulen, dokumentieren und im Alltag verankern.

Häufige Fragen

Woran merken Unternehmen, dass ihre Sicherheitsstrategie zu locker ist?
Ein typisches Warnsignal sind unklare Zuständigkeiten bei Konten, Zugriffsrechten und Austritten. Wenn niemand sicher sagen kann, welche Berechtigungen noch aktiv sind, entsteht schnell ein Risiko für Cyberbedrohungen. Auch wiederholte Unsicherheit bei ungewöhnlichen Anfragen zeigt, dass die Sensibilisierung im Alltag fehlt.
Reicht eine gute Technik aus, um Sicherheitsvorfälle zu verhindern?
Nein, die Beispiele zeigen gerade das Gegenteil. Selbst gute Schutzsysteme helfen nur begrenzt, wenn Mitarbeitende gutgläubig reagieren oder Prozesse wie der Austritt nicht sauber funktionieren. Eine belastbare IT-Resilienz braucht Technik, Prozesse und geschulte Menschen.
Was sollte bei einem Mitarbeiteraustritt sofort passieren?
Alle Konten, Zugänge und Berechtigungen müssen umgehend deaktiviert werden. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob noch VPN-Zugriffe, Admin-Rechte oder andere Sonderberechtigungen offen sind. Je standardisierter der Prozess, desto kleiner das Risiko für spätere Sicherheitsprobleme.
Warum sind Social-Engineering-Angriffe so gefährlich?
Weil sie nicht auf technische Schwächen, sondern auf Vertrauen und Routine zielen. Ein Angreifer kann sich als Techniker ausgeben, ein Gerät platzieren oder eine scheinbar harmlose Bitte stellen. Wenn das Personal nicht misstrauisch reagiert, kann daraus sehr schnell ein direkter Zugriff auf Systeme werden.

Offene Türen für Angreifer entstehen selten durch einen einzigen grossen Fehler, sondern durch mehrere kleine Lücken im Alltag. Wer Cyberrisiken ernst nimmt, verbindet deshalb klare Prozesse mit Sensibilisierung und überprüft die Sicherheitsstrategie regelmässig.

Neo One zeigt mit diesen Praxisbeispielen, wie wichtig konsequente IT-Resilienz ist, wenn Unternehmen ihre Daten, Systeme und Zugänge wirksam schützen wollen. Genau dort beginnt nachhaltiger Schutz vor Cyberrisiken.

Sicherheitslücken schliessen statt Angriffe ermöglichen

Neo One AG, Bassersdorf

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