Wie bringt Prozessautomatisierung KMU schnell Entlastung?

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Christian Kunz
Christian Kunz
Head of AI & Automation, FIVE Informatik AG · Urtenen-Schönbühl
Zuletzt geprüft: 22. September 2026

Das Wichtigste in Kürze

Prozessautomatisierung bringt KMU am schnellsten dort Entlastung, wo viele gleiche Schritte, klare Regeln und häufige Rückfragen zusammenkommen. In der Praxis sind das meist der Posteingang, Dokumentenfreigaben, wiederkehrende Rechnungsabläufe, interne Anfragen und standardisierte Onboarding-Schritte. Wer zuerst diese Prozesse digitalisiert, reduziert Rückfragen und Medienbrüche, ohne gleich die ganze Organisation umzustellen. Gerade der Posteingang eignet sich als Einstieg: Briefe, E-Mails und Dokumente aus Portalen müssen täglich erkannt, zugeordnet und weitergeleitet werden. Der Prozess ist stark standardisiert und bildet gleichzeitig den Ausgangspunkt für viele weitere Geschäftsprozesse.

Wir bei FIVE Informatik AG sehen in KMU immer wieder dasselbe Muster: Entlastung entsteht nicht durch möglichst viel Technik, sondern durch die richtige Reihenfolge. Wer mit den falschen Abläufen startet, baut Aufwand auf statt ihn abzubauen. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf Prozesse, die im Alltag oft klein wirken, aber intern viel Zeit binden.

Welche fünf Geschäftsprozesse bringen am schnellsten Entlastung?

ProzessWarum er schnell entlastetTypischer Einstieg
PosteingangHoher manueller Aufwand für Klassifizierung, Zuordnung und WeiterleitungBriefe, E-Mails und Dokumente automatisch erkennen und zuordnen
DokumentenfreigabenViele Rückfragen, klare Regeln, hoher WiederholungsgradFreigabeworkflows für Verträge, Offerten und interne Belege
Rechnungsprüfung und ZahlungsläufeWeniger manuelle Weiterleitungen und weniger SuchaufwandDigitale Eingangsrechnungen mit definierten Prüfschritten
Interne AnfragenE-Mails gehen oft verloren oder bleiben liegenStandardisierte Formulare für IT, HR oder Administration
Onboarding neuer MitarbeitenderVielViele wiederkehrende Aufgaben mit festen Fristene wiederkehrende Aufgaben mit festen FristenStandardisierte Formulare für IT, HR oder Administration
Priorisierung nach Nutzen und Umsetzbarkeit in KMU

Der häufigste Irrtum dabei: Viele suchen zuerst nach dem Prozess mit dem grössten theoretischen Volumen. Für schnelle Entlastung ist das oft nicht der beste Start. Entscheidend ist, ob ein Ablauf regelbasiert, wiederholbar und für die Beteiligten sichtbar machbar ist.

Warum eignet sich der Posteingang besonders gut für den Einstieg?

Einen Posteingang gibt es praktisch in jedem Unternehmen. Informationen treffen als Brief, E-Mail oder über Portale ein und müssen anschliessend klassifiziert, mit bestehenden Stammdaten wie Kundeninformationen abgeglichen und den richtigen Mitarbeitenden oder Geschäftsprozessen zugeordnet werden. Was nach einem einfachen Ablauf klingt, verursacht im Alltag viel manuelle Arbeit.

Gerade deshalb bietet der Posteingang erhebliches Potenzial für Automatisierung. Mit KI lassen sich eingehende Informationen erkennen, klassifizieren und zuordnen, sodass Mitarbeitende nicht jedes Dokument einzeln prüfen und weiterleiten müssen.

Hinzu kommt: Viele weitere Geschäftsprozesse beginnen im Posteingang. Eine Rechnung startet beispielsweise einen Prüfprozess, eine Kundenanfrage einen Bearbeitungsprozess und ein Vertrag einen Freigabeprozess. Weil der Posteingang vergleichsweise klar und standardisiert ist, eignet er sich gut als erster Schritt, auf dem weitere Automatisierungen aufbauen können.

Warum startet man besser mit Dokumenten und Freigaben?

Dokumentenprozesse sind für viele KMU der einfachste Einstieg in die Workflow Automatisierung, weil sie klare Auslöser und definierte Entscheidungen haben. Ein Dokument wird erfasst, geprüft, freigegeben und abgelegt, das lässt sich sauber strukturieren. Wer hier ansetzt, schafft oft sofort mehr Transparenz im Prozess, ohne die Fachabteilungen mit einem grossen Systemwechsel zu belasten.

Aus unserer Praxis bei FIVE Informatik AG zeigt sich: Sobald Dokumente nicht mehr per Mail hin- und hergeschickt werden, sinkt der Koordinationsaufwand spürbar. Besonders stark ist der Effekt dort, wo mehrere Personen dieselbe Information brauchen, aber jede Version manuell gepflegt wird. Dann wird aus einer simplen Ablagefrage schnell ein Zeitfresser.

Wo lohnt sich die Digitalisierung von Geschäftsprozessen besonders?

  • Bei Prozessen mit vielen gleichen Fällen pro Woche oder Monat
  • Bei klaren Regeln, wer prüft, freigibt oder weiterleitet
  • Bei Abläufen mit Medienbrüchen zwischen E-Mail, Dateiablage und ERP
  • Bei Tätigkeiten, die oft wegen Rückfragen unterbrochen werden
  • Bei Aufgaben, bei denen neue Mitarbeitende lange Einarbeitung brauchen

Besonders gut eignen sich auch Abläufe, die bereits heute in SharePoint, im DMS oder in einer Fachanwendung anfangen, aber am Ende wieder manuell zusammengeführt werden. Genau dort entstehen Medienbrüche, doppelte Erfassung und unnötige Wartezeiten. Ein solides Dokumentenmanagementsystem ist deshalb oft nicht das Ziel, sondern der Startpunkt für saubere Prozessautomatisierung.

Welche Fehler bremsen KMU am meisten?

  1. Mit zu komplexen Prozessen starten, statt mit einem klaren Standardfall
  2. Einzelne Tools einführen, ohne den eigentlichen Ablauf zu definieren
  3. Die Fachabteilungen zu spät einbeziehen, obwohl sie die Ausnahmen kennen
  4. Automatisierung als IT-Projekt statt als Geschäftsprozess betrachten
  5. Den Nutzen nur über Technik messen, nicht über entlastete Arbeit im Alltag

Worauf Sie achten sollten

Wenn ein Prozess heute schon unklar ist, macht Automatisierung ihn nicht besser, sondern nur schneller unübersichtlich. Zuerst braucht es einen sauberen Soll-Ablauf mit klaren Zuständigkeiten. Erst danach lohnt sich die technische Umsetzung.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass ein Prozess für den ersten Automatisierungsschritt geeignet ist?
Ein guter Startprozess ist häufig, regelbasiert und von mehreren Personen gleich bearbeitet. Wenn Rückfragen, Liegenbleiber und manuelle Weiterleitungen den Ablauf prägen, ist das meist ein starkes Signal. Je weniger Sonderfälle, desto schneller lässt sich ein sichtbarer Effekt erreichen.
Sollten wir zuerst das DMS einführen oder zuerst Prozesse automatisieren?
Das hängt vom Ausgangspunkt ab, aber in vielen KMU gehören beide Themen zusammen. Wenn Dokumente ohnehin zentral erfasst und abgelegt werden sollen, bietet sich das DMS oft als Basis an. Entscheidend ist, dass nicht nur Dateien gespeichert werden, sondern ein klarer Ablauf dahintersteht.
Wie gross muss ein Prozess sein, damit sich der Aufwand lohnt?
Nicht die Grösse entscheidet, sondern die Wiederholung und die Reibung im Alltag. Ein kleiner Prozess mit vielen Rückfragen kann mehr Entlastung bringen als ein grosser, aber selten genutzter Ablauf. Gerade in KMU lohnt sich deshalb oft der pragmatische Start mit einem überschaubaren Fall.
Wie vermeiden wir, dass die Automatisierung später umgangen wird?
Die Lösung muss zum Arbeitsalltag passen und von den Beteiligten akzeptiert werden. Wenn der neue Ablauf länger dauert als der alte oder Ausnahmen nicht sauber abbildet, weichen Mitarbeitende wieder auf E-Mail und manuelle Workarounds aus. Darum sollte die Praxis von Anfang an mitgestalten.

Für KMU ist Prozessautomatisierung vor allem dann sinnvoll, wenn sie messbar entlastet, nicht wenn sie möglichst viel verspricht. Wer beim Posteingang, bei Dokumenten, Freigaben und klaren Standardabläufen beginnt, schafft schnelle Wirkung und eine belastbare Basis für die nächsten Schritte. Genau dort setzen wir bei FIVE Informatik AG an, wenn wir Geschäftsprozesse digitalisieren.

Wenn Sie prüfen möchten, welcher Prozess sich in Ihrem Unternehmen zuerst eignet, lohnt sich ein strukturierter Blick auf die bestehenden Abläufe. So wird aus einem allgemeinen Digitalisierungsvorhaben ein konkreter nächster Schritt mit nachvollziehbarem Nutzen.

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FIVE Informatik AG, Urtenen-Schönbühl

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