Wie werden Honorarberechnungen heute transparenter?

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Stefan Cadosch
Stefan Cadosch
CCO, keeValue ag · Brugg Ag
Zuletzt geprüft: 30. Oktober 2026

Das Wichtigste zuerst

Der neue Aufwandrechner von keeValue schafft mehr Transparenz und Vergleichbarkeit bei Honorarberechnungen, weil er auf einer grossen Datengrundlage und einem mehrdimensionalen Modell basiert. Statt einer starren Einheitsformel liefert er ein Intervall, das den realistischen Aufwand besser abbildet. Gleichzeitig bleibt das Ergebnis eine fundierte Prognose und keine verbindliche Vorgabe.

Aus unserer Praxis zeigt sich: Genau dort, wo früher starre Modelle zu wenig trennscharf waren, bringt ein datenbasiertes Vorgehen die bessere Gesprächsgrundlage. Bei keeValue ist das besonders relevant, weil das Modell nicht nur Baukosten berücksichtigt, sondern auch Projektart, Komplexität und die SIA-Leistungsbeschriebe. So wird aus einer reinen Rechenhilfe ein Instrument, das Planerinnen, Planer und Bauherrschaften vergleichbarere Grundlagen liefert.

Warum klassische Honorarberechnungen an Grenzen stossen

Seit dem Wegfall von Artikel 7 in den SIA-Leistungs- und Honorarordnungen fehlte in der Schweizer Planungspraxis ein zeitgemässes, breit akzeptiertes Instrument zur Ermittlung des Planungsaufwands. Die bisherigen Rechenmodelle galten zunehmend als unzulänglich, nicht nur juristisch, sondern auch in ihrer Aussagekraft für eine komplexere Planungsrealität. Genau hier setzt der neue Ansatz an: Er soll die Lücke zwischen praktischer Anwendung, rechtlicher Zulässigkeit und nachvollziehbarer Bewertung schliessen.

Wie funktioniert der datenbasierte Aufwandrechner?

Die Basis bilden über 3'000 tatsächlich abgerechnete Projekte sowie eine gross angelegte Umfrage unter über 13'000 Fachplanerinnen und Fachplanern. Für die Auswertung kommen statistisch und wissenschaftlich anerkannte Methoden wie die lineare Quantilsregression und Conformalized Prediction zum Einsatz. Das Modell ist mehrdimensional aufgebaut und berücksichtigt neben den Baukosten auch die Projektart, die Komplexität sowie die SIA-LHO 102, 103, 105 und 108, sodass alle Planerkategorien im Tool abgebildet sind.

3'000+tatsächlich abgerechnete Projekte als Datengrundlage
13'000+Fachplanerinnen und Fachplaner in der ergänzenden Umfrage
102, 103, 105, 108abgebildete SIA-Leistungs- und Honorarordnungen

keeValue ag

Was zeigt die Darstellung im Boxplot?

Visualisiert wird das Ergebnis als Boxplot, also nicht als einzelner Richtwert, sondern als Bandbreite vergleichbarer Projekte. Median und Perzentile sind sichtbar, was die Streuung realer Aufwände verständlich macht und die Kommunikation mit Bauherrschaften erleichtert. So entsteht eine gemeinsame Grundlage, die auf nachvollziehbaren Kriterien beruht und nicht auf einer schematischen Pauschalannahme.

Warum Baukosten nicht einfach 1:1 ins Honorar übersetzt werden

Ein häufiger Kritikpunkt an früheren Modellen war die direkte Bindung an die Baukosten, weil dadurch Fehlanreize befürchtet wurden. Das neue Modell normalisiert die aufwandbeeinflussende Bausumme mit dem Baupreisindex des Bundesamts für Statistik und berücksichtigt damit die Baukostenteuerung separat. Entgegen der Annahme, dass steigende Baukosten automatisch zu höherem Aufwand führen, wird diese Entwicklung rechnerisch herausgelöst.

Worauf man bei der Interpretation achten sollte

Der Aufwandrechner ersetzt nicht die individuelle Beurteilung eines Unternehmens. Er liefert eine datenbasierte Prognose und keine verbindliche Vorgabe, weshalb die Ergebnisse immer im Kontext des konkreten Projekts gelesen werden müssen.

Was bringt das in der Praxis für Planer und Bauherrschaften?

Für Planerinnen und Planer bietet der Aufwandrechner eine fundierte Grundlage für Offerten und für die nachvollziehbare Darstellung des Aufwands gegenüber Auftraggebern und Kostenträgern. Für öffentliche Bauherrschaften wird daraus ein einheitliches und reproduzierbares Instrument für die Plausibilisierung von Angeboten, die Budgetbildung und die spätere Auswertung. Weil die Datengrundlage laufend ergänzt und validiert wird, kann das Modell auch auf neue Anforderungen wie Nachhaltigkeit oder technische Innovationen reagieren.

Häufige Fragen

Ist der Aufwandrechner für öffentliche Bauherrschaften überhaupt zulässig?
Der Ansatz verzichtet auf fixe Prozentwerte und Preisvorgaben und bewegt sich damit im rechtlich zulässigen Raum, wie er unter anderem durch die WEKO definiert wurde. Genau das macht ihn für öffentliche Bauherrschaften interessant, weil er eine nachvollziehbare und dokumentierbare Grundlage für die Prüfung von Angeboten liefert.
Ersetzt das Modell die Erfahrung der Planerinnen und Planer?
Nein, die Berechnung ist ausdrücklich als Hilfsmittel gedacht. Sie ersetzt nicht die individuelle Überlegung des Unternehmers, sondern unterstützt die Einschätzung mit einer datenbasierten Prognose.
Warum ist die Aktualisierbarkeit so wichtig?
Weil sich gesetzliche Rahmenbedingungen, Nachhaltigkeitsanforderungen und technische Standards laufend verändern. Die laufende Ergänzung und Validierung der Daten hilft dabei, dass das Modell nicht an der Realität vorbeiläuft.
Welche Rolle spielt der Unterschied zwischen Neubau, Umbau und Denkmalpflege?
Die Projektart ist Teil des Modells, weil diese Fälle unterschiedliche Anforderungen an den Aufwand stellen. Dadurch lässt sich die Berechnung differenzierter auf die konkrete Situation abstimmen als mit einer Einheitsformel.

Für die Praxis heisst das: Honorarberechnungen werden nicht einfacher im Sinne von pauschaler, sondern klarer im Sinn von nachvollziehbarer. Genau diese Verbindung aus klassischer Kalkulation und moderner Datenanalyse macht den Ansatz von keeValue anschlussfähig für Gespräche mit Bauherrschaften, Planern und Kostenträgern.

Wer Honorarberechnungen heute belastbar aufbauen will, braucht mehr als einen starren Schlüssel. Der datenbasierte Ansatz von keeValue zeigt, wie sich Planungsaufwand transparenter, vergleichbarer und fachlich besser begründbar darstellen lässt.

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