Wie digital ist das Schweizer Gesundheitswesen?

2 Min. Lesezeit
MZ
Michael Ziegler
Mitglied der Geschäftsleitung, Leitung eHealth, NEXUS Schweiz AG · Schenkon
Zuletzt geprüft: 30. Oktober 2026

Aber wie sieht die Realität wirklich aus?

Das Swiss eHealth-Barometer 2026 zeigt: Die Bevölkerung steht der Digitalisierung grundsätzlich offen gegenüber. Den Fortschritt schätzt sie jedoch kritisch ein. Nur 29 Prozent halten die Digitalisierung im Gesundheitswesen für weit fortgeschritten, 40 Prozent für wenig weit fortgeschritten. Auch das BAG benennt eine zentrale Hürde: Gesundheitsdaten müssen heute teils mehrfach erfasst werden und lassen sich nicht überall systemübergreifend nutzen.

Die Aufgabe ist deshalb nicht, möglichst viele digitale Werkzeuge einzuführen. Entscheidend ist, dass Informationen sicher und strukturiert dort verfügbar sind, wo sie für die Versorgung gebraucht werden. Genau darauf zielt DigiSanté mit dem nahtlosen Austausch relevanter Gesundheitsdaten. Digitalisierung wird im Alltag spürbar, wenn weniger Informationen doppelt erfasst werden müssen und die Zusammenarbeit über Institutionsgrenzen hinweg einfacher wird.

29 %eher bis sehr weit fortgeschritten
40 %wenig weit fortgeschritten
31 %keine Einschätzung

BAG

Häufige Fragen

Wie steht die Schweizer Bevölkerung grundsätzlich zur Digitalisierung im Gesundheitswesen?
Eine klare Mehrheit sieht in digitalen Gesundheitslösungen eine wichtige Chance, um den Zugang, die Effizienz und die Qualität der Versorgung zu verbessern. Dennoch gibt es Vorbehalte: Ausgeprägte Bedenken betreffen den Datenschutz sowie die Angst vor einer Entfremdung durch zu viel Technik. Zudem wird digitaler Support gewünscht, aber kein Ersatz für den persönlichen Kontakt.
Warum wird das elektronische Patientendossier (EPD) von der Bevölkerung trotz seines Nutzens so selten genutzt?
Obwohl das EPD vor allem für Notfälle als nützlich erachtet wird, hemmen Datenschutzbedenken, administrative Hürden und die Einschätzung, dass Fachpersonen auch ohne EPD gut zusammenarbeiten, die Nutzung in der Bevölkerung.
Wem vertraut die Bevölkerung beim Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten?
Das Vertrauen ist sehr unterschiedlich verteilt: 83 Prozent der Bevölkerung würden behandelnden Ärztinnen und Ärzten den vollen Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten gewähren. Gegenüber Krankenkassen, Forschungseinrichtungen, öffentlichen Stellen und Privatunternehmen fällt die Zustimmung für den Vollzugriff deutlich zurückhaltender aus (wobei bei anonymisierten oder eingeschränkten Daten Potenzial besteht).
Wie bewerten Gesundheitsfachpersonen die digitale Dokumentation und Krankenhausinformationssysteme (KIS)?
Die elektronische Krankengeschichte (eKG) ist in Arztpraxen bereits gut etabliert und wird mehrheitlich positiv bewertet. Krankenhausinformationssysteme (KIS) stehen hingegen häufig in der Kritik, da sie im hektischen Arbeitsalltag oft nur ungenügende Unterstützung bieten.
Was ist zum nationalen Programm „DigiSanté“ bekannt?
Das Programm ist kantonalen Verwaltungen und IT-Verantwortlichen in Spitälern ein Begriff, der breiten Ärzteschaft jedoch (noch) kaum. In den kommenden Jahren soll der Fokus von DigiSanté vor allem auf dem digitalen Datenaustausch liegen – insbesondere bei Medikations- und Rezeptdaten, Laboraufträgen und -befunden sowie Austrittsberichten.